Substanz wichtiger als Farbe
Kaufberatung Alfa 2600 Spider
Inhaltsübersicht
Über die vielen Geschichten, die mir Besitzer von Alfa 2600 Spider in der Vergangenheit erzählt haben, müsste man eigentlich ein Buch schreiben. Leider würde es kein lustiges Buch, sondern eher eine Tragödie. Neben vielen Träumen von tollen Ausfahrten und großen Emotionen handeln diese Storys nämlich überwiegend von versteckten Mängeln beim Kauf, von missglückten Restaurierungen, von Ärger mit Werkstätten und von viel Geld, das dabei versenkt wurde. Es ist teilweise wirklich haarsträubend. Deshalb habe ich mich entschlossen, eine sehr pointierte Kaufberatung für diese seltenen und wunderschönen Fahrzeuge zu schreiben, die Ihnen hoffentlich hilft richtige Entscheidungen zu treffen und künftig Fehler zu vermeiden.
Gerade im Business mit klassischen Fahrzeugen scheint es so zu sein, dass dieses Genre Scharlatane und Betrüger anzieht wie das Licht die Motten. Offenbar versprechen sich eine ganze Reihe von windigen Geschäftemachern und Händlern hier das schnelle Geld – einen Oldtimer mal schnell einer billigen „Verkaufsdusche“ unterziehen und dann als Traumauto für Höchstpreise an Kunden verkaufen, die leider oft wenig Ahnung haben und nur von schönen Touren in grandioser Landschaft träumen. Ich will nicht alle über einen Kamm scheren, es gibt auch seriöse Händler, aber leider gibt es viele Fälle von krummen Geschäften, zu viele. Das größte Risiko beim Kauf eines Alfa Romeo 2600 Spider ist heute nicht das Auto selbst, sondern die Qualität der Restaurierung oder der Arbeiten, die in der Vergangenheit daran gemacht wurden. Die Fahrzeuge sind inzwischen über 60 Jahre alt, und die allermeisten wurden bereits mehrfach repariert oder restauriert – teilweise von Werkstätten, die zwar möglicherweise Erfahrung mit Oldtimern haben, aber nicht mit diesem sehr speziellen Modell.
Es war die Hauptmotivation diese Internetseite zu veröffentlichen: Informationen über den seltenen Alfa 2600 Spider sind rar, in der generellen Alfa-Literatur steht wenig, es kursieren eine Menge Unwahrheiten. Mit dieser Seite wollen wir Ihnen helfen, mehr Hintergründe über diesen speziellen Alfa Romeo zu erfahren. Deshalb: Kaufen Sie NICHT zuerst den Alfa 2600 Spider. Besorgen Sie sich zuerst das Wissen, die Kontakte und die richtigen Werkstätten, die Ihnen helfen, einen guten Alfa 2600 Spider zu erkennen und dauerhaft zu erhalten.
Also: Kaufen Sie eventuell das bisschen vorhandene Literatur, besorgen Sie sich Bedienungsanleitung, Ersatzteilkataloge und Werkstatt-Handbücher, die es als Kopie preiswert im Netz gibt, aber vor allem: Studieren Sie diese Internetseite sehr genau. Dann wissen Sie zumindest schon mal Bescheid über die gesamte Historie, Originalität, Restaurierung und wie wirklich gute Alfa 2600 aussehen müssen. Mehr Information werden Sie anderswo nicht bekommen.
Und dann nehmen Sie Kontakt auf zu guten Werkstätten, die wirklich Erfahrung haben und in der Lage sind einen 2600 Spider zu restaurieren oder reparieren (Wir helfen Ihnen dabei gerne). Denn ein Alfa Romeo 2600 ist kein gewöhnlicher Oldtimer. Der Sechszylinder und viele modellspezifische Details verlangen Erfahrung mit genau diesem Fahrzeugtyp. Eine Werkstatt kann hervorragende Porsche-, Jaguar- oder Mercedes Restaurierungen durchführen und dennoch bei einem Alfa 2600 womöglich Fehler machen.
Bei vielen Käufern spielt zuerst die Farbe des Wagens eine große Rolle. Das ist ein sehr menschliches Verhalten – und gleichzeitig eine der häufigsten Ursachen für Fehlkäufe. Denn die Farbe allein sagt fast nichts über die Qualität des Fahrzeugs aus. Sie ist natürlich das Erste, was man sieht, wenn man auf ein Fahrzeug zugeht. Viel wichtiger ist dann schon die Qualität der Lackierung, die man erst bei genauem Hinschauen erkennt. Hat der Lack eine leichte Orangenhaut? Gibt es matte Stellen? Sieht man Staubeinschlüsse und auch größere Unregelmäßigkeiten? Beulen oder Dellen, die eventuell auf Rost unter dem Lack hinweisen können? Sie können davon ausgehen: Wenn schon der Lack nicht einwandfrei ist, dann sind auch andere Dinge an dem Auto nicht ordentlich gemacht.
Es gibt Käufer, die lehnen gute, originale Fahrzeuge ab, weil die Farbe nicht ihren Vorstellungen entspricht. Stattdessen kaufen sie ein schlechteres Auto nur deshalb, nur weil die Farbe gefällt.
Das ist sicher die falsche Priorität. Viele Interessenten suchen in dieser Reihenfolge:
- Farbe
- Ausstattung
- Preis
- Zustand
Doch genau hier liegt das Problem. Eine Farbe kann man ändern – die Substanz nicht. Eine Lackierung lässt sich erneuern, eine Innenausstattung lässt sich aufarbeiten. Was sich jedoch nicht so einfach ändern lässt, sind:
- eine schlechte Karosseriesubstanz,
- unsachgemäße Schweißarbeiten,
- falsch restaurierte Technik,
- fehlende Originalteile,
- mangelhafte Dokumentation,
- eine problematische oder nicht vorhandene Fahrzeughistorie.
Eigentlich sollte deshalb die Reihenfolge der Kaufkriterien genau umgekehrt sein:
- Substanz der Karosserie
- Originalität
- Technischer Zustand
- Alle Teile vorhanden
- Historie
- Dokumentation
- Farbe
Besonders aufmerksam sollte man werden, wenn der Lack an den Schwellern unter den Türen, an den Radläufen oder am Heckblech Beulen aufweist. Das deutet fast unweigerlich auf Rostblasen hin. Nehmen Sie zu einer Besichtigung deshalb unbedingt einen Lackdickenmesser oder zumindest einen kleinen Magneten mit. Lackdickenmesser sind kleine elektronische Geräte, die man auf der Karosserie aufsetzt und die einem am Display oder auch am Smartphone die Dicke der Farbe angeben. Sollte der Lackaufbau mehrere Millimeter oder sogar einen Zentimeter dick sein – bitte größte Vorsicht. Hier wurde keine gute Blecharbeit gemacht und viel Spachtel verwendet. Notfalls können Sie das auch mit einem kleinen Magneten prüfen. Man fühlt es, ob der Magnet am Blech stark anhaftet oder ob er sich leicht wieder abheben lässt. Je leichter, desto dicker der Spachtel.
Ein frisch lackierter Alfa 2600 Spider wirkt oft beeindruckend. Doch gerade neue Lackierungen können technische oder karosserieseitige Mängel optisch überdecken. Ein glänzendes Fahrzeug wird häufig positiver bewertet als ein technisch besseres Auto mit älterem Lack. Dabei sagt die ein neuer Lack allein wenig über die Qualität der Restaurierung aus.
Viele erfahrene Sammler bevorzugen Fahrzeuge mit ehrlicher Patina und nachvollziehbarer Geschichte gegenüber perfekt wirkenden Restaurierungen unbekannter Herkunft. Ein original erhaltenes Fahrzeug mit kleinen Gebrauchsspuren ist oft wertvoller als ein makelloses Auto mit fragwürdiger Vergangenheit. Mein Rat: Kaufen Sie nicht einen Alfa 2600 Spider wegen seiner Farbe. Kaufen Sie ihn wegen seiner Substanz, seiner Historie und seiner Qualität. Wenn diese Faktoren stimmen, wird Ihnen die Farbe nach einigen Wochen gefallen.
Wer sich auf eine ganz bestimmte Farbe festlegt, reduziert den ohnehin winzigen Markt für 2600 Spider dramatisch. Bei nur 2255 gebauten Fahrzeugen ist die Auswahl heute extrem klein. Deshalb würde ich für eine goldene Regel formulieren: Beachten Sie nicht zuerst die Farbe. Beachten Sie die Substanz, die Historie, die Dokumentation und die Menschen, die das Fahrzeug aufgebaut haben.
Lassen Sie sich also nicht von glänzendem Chrom und Hochglanzlack blenden. Entscheidend ist die Qualität der ausgeführten Arbeiten. Eine teure Restaurierung allein ist noch kein Qualitätsnachweis.
Immer wieder berichten Besitzer nach dem Kauf über versteckte Probleme:
- Motoren mit thermischen Problemen kurz nach einer angeblichen Komplettrevision.
- Vergaser mit falschen Düsen, die nie sauber abgestimmt wurden und einen vernünftigen Motorlauf unmöglich machen.
- Undichte oder unsachgemäß überholte Getriebe.
- Differenzial oder Hinterachse machen unangenehme Geräusche.
- Schlecht ausgewuchtete Kardanwelle.
- Falsche Karosserieteile oder Anbauteile anderer Modelle.
- Unsaubere oder komplett falsche Schweißarbeiten, die erst bei genauer Inspektion sichtbar werden.
- Große Mengen Spachtelmasse anstelle einer fachgerechten Blechreparatur.
Wer sich heute für einen Alfa 2600 Spider interessiert, sucht in den allermeisten Fällen zuerst im Internet. Mal abgesehen davon, dass die Angebote an 2600ern ziemlich selten sind – meist werden in ganz Europa nicht mehr als vier bis fünf Fahrzeuge angeboten – geht es beim Studium der Anzeigen vor allem darum, was der Verkäufer schreibt. Natürlich will jeder Verkäufer den Wagen möglichst positiv darstellen, aber häufig liest man da allerhand Allgemeines von elegantem italienischem Design, von Stil-Ikone, von brillantem Sechszylinder, von Seltenheit, von souveräner Kraft, Höchstgeschwindigkeit und Vieles mehr. Diese allgemeinen Infos sind sicher gut, aber wir brauchen sie nicht wirklich, dann das wissen wir vorher – sonst würden wir uns ja gar nicht für den Alfa 2600 interessieren. Was ein gut informierter Käufer tatsächlich wissen möchte, sind Zustand und Historie genau dieses Fahrzeugs, dazu gehören die Fahrgestellnummer, die Daten aus dem „Certificato di Origine“, die Besitzhistorie und vor allem präzise Angaben zum Zustand.
Der Zustand, die Substanz des Wagens ist das Allerwichtigste. Bei top-restaurierten Alfas, bei denen Funktion, Optik, Originalität und Dokumentation perfekt stimmen, bei dem es zusätzlich ein aktuelles Wertgutachten mit Note 1 gibt, wird ein Verkäufer – sei es privat oder Händler – auch bereitwillig alles erzählen. Da kann es kaum Diskussionen geben. Allerdings werden diese Autos dann generell zu einen hohen Preis angeboten.
Wenn ein Fahrzeug jedoch zu vermeintlichem Schnäppchenpreis angepriesen wird, bei dem diese Informationen nicht sofort und freiwillig publiziert werden, muss man sich von vorneherein fragen, ob da nicht etwas verschleiert wird. Besonders aussagekräftig sind dabei die Fotos: Zeigt der Anbieter keine detaillierten Fotos vom Motorraum, von Fahrgestell- und Karosserienummer, vom Unterboden, vom Kofferraum und vom Innenraum (am besten ohne Teppiche), dann sollten Ihre Warnlampen leuchten. Warum wird das alles nicht gezeigt?
Wenn ein Verkäufer all diese Informationen nicht auf Anhieb zeigt, fordern sie sie an. Sollte er dann ausweichen oder lange zögern – Vorsicht! Bei einem ehrlichen Auto gibt es nichts zu verbergen. Besondere Vorsicht ist geboten, wenn früher einmal Restaurierungen durchgeführt wurden. Wie gut, wie fachgerecht, wie professionell, waren die? Wurde dabei die originale Substanz des Alfa erhalten? Natürlich gibt es meist Rechnungen über diese Arbeiten. Aber viele Rechnungen beweisen nur, dass viel Geld ausgegeben wurde, aber nicht unbedingt, dass die Arbeiten fachgerecht durchgeführt wurden. Zu den Rechnungen brauchen Sie unbedingt noch diese Informationen:
- umfangreiche Fotodokumentationen der Restaurierung
- Präzise Angaben über die tatsächlich ausgeführten Arbeiten
- Messprotokolle des Motors
- Dokumentation der verwendeten Ersatzteile
- Vorbesitzer und nachvollziehbare Historie des Fahrzeugs
- Certificato di Origine
Beim Alfa Romeo 2600 Spider entscheidet sich oft schon vor der Besichtigung, ob man später viel Geld spart oder ein Desaster erlebt. Hier eine Checkliste: Was man vor dem Kauf eines Alfa Romeo 2600 Spider unbedingt wissen und recherchieren sollte:
- Der Alfa 2600 Spider ist kein „alter Gebrauchtwagen“, sondern ein Sammlerfahrzeug.
- Fast jedes Fahrzeug wurde im Laufe seines Lebens mehrfach repariert oder restauriert.
- Es existieren kaum wirklich originale Fahrzeuge.
- Die größte Gefahr ist nicht Verschleiß, sondern schlechte Restaurierungsqualität.
- Eine teure Restaurierung bedeutet nicht automatisch eine gute Restaurierung.
Prüfen Sie dann unbedingt die Historie des konkreten Fahrzeugs:
- Ist die Fahrgestellnummer original? Sie muss bei linksgelenkten Alfas mit AR 19…. Beginnen und bei rechtsgelenkten Autos mit AR 85….
- Passt die Fahrgestellnummer zum angegebenen Baujahr? Bis zum Herbst 1963 hatten die Alfa 2600 Trommelbremsen hinten und eine vorne öffnende Motorhaube. Die Fahrzeuge ab Ende 1963 hatten Scheibenbremsen hinten und eine hinten öffnende Motorhaube.
- Gibt es ein „Certificato di Origine“ von Alfa Romeo? Fordern Sie das unbedingt an. Nur damit können Sie nachvollziehen, wie das Fahrzeug ehemals vom Werk ausgeliefert wurde. Darin stehen die Fahrgestellnummer, das genaue Produktions- und Auslieferungsdatum, das Auslieferungsland, meist auch mit dem Importeur oder Händler, die Originalfarbe und meist auch die Farbe der Innenausstattung.
- Es gibt Händler, die preisen ihren Alfa 2600 Spider als „Touring Superleggera“ an um damit zu suggerieren, dass die Karosserie aus leichtem Aluminium hergestellt wurde. Das ist falsch. Weder der Vorgänger 2000 Spider noch der 2600 Spider waren jemals „Superleggera“. Sie wurden grundsätzlich mit einer geschweißten Stahlkarosserie gebaut – siehe hier.
- Viele Händler behaupten, dass ihr Alfa 2600 noch „matching numbers“ habe. Auch das ist sicher eine falsche Behauptung. Denn Alfa hat damals die Motornummern der einzelnen Fahrzeuge nicht erfasst. Man kann heute nur sagen, welche Motornummer in welchem Jahr gebaut wurde. Schauen Sie in die Tabelle auf dieser Internetseite. Da erkennen Sie, ob der Motor zumindest im selben Jahr wie das ganze Auto hergestellt wurde.
Fragen Sie unbedingt nach der Anzahl der Vorbesitzer: Natürlich ist es immer schön, wenn ein Wagen möglichst wenig Vorbesitzer hatte. Aber bei unseren über 60 Jahre alten Alfas können es auch bis zu zehn Vorbesitzer sein. Wenn am Ende eine wirklich fachgerechte und gute Restaurierung stand, sollte das kein Hinderungsgrund sein den Wagen zu kaufen. Eventuell gibt es ja sogar interessante oder prominente Vorbesitzer, die den Wert des Wagens steigern können.
Herkunftsland: Hier ist eigentlich nur wichtig zu wissen, ob der Alfa 2600 Spider ehemals in die USA oder nach Europa ausgeliefert wurde. Denn damit unterscheiden sich einige Dinge: Die amerikanische Ausführung hatte gut sichtbar vorne und hinten verchromte „bumpers“ mit Gummipuffern auf den Stoßstangen, dazu natürlich einen Meilentacho und die anderen Instrumente hatten Temperaturskalen in Fahrenheit und nicht in Celsius, Statt „Benzina“ stand „Fuel“ auf der Tankuhr. Natürlich kann man das alles bei einer Restaurierung ändern. Dennoch wird damit aus einem Amerikaner kein Europäer – es bleibt im „Certificato di Origine“ vermerkt.
Importgeschichte: Der Alfa 2600 Spider war ehemals ein relativ beliebtes Fahrzeug bei in Europa stationierten, amerikanischen Soldaten. Manche haben dann das europäische Auto nach USA exportiert und in Amerika umgerüstet. Auch dann bleibt es eigentlich ein europäisches Auto.
Die Besitzhistorie kann Ihnen eventuell auch Informationen darüber liefern, wie viel der Wagen gefahren wurde, ob er ehemals regelmäßig gewartet wurde, oder ob er lange Standzeiten hatte. Natürlich – heute ist es nahezu ausgeschlossen noch den ersten oder zweiten Besitzer zu finden und persönlich mit ihm zu sprechen. Nach so langer Zeit sind diese Menschen entweder sehr alt oder schon gestorben. Aber wenn ein Alfa 2600 zuerst in Italien zugelassen war und die Autonummer bekannt ist, so lässt sich heute noch über den ACI die gesamte Fahrzeughistorie in Italien recherchieren.
Besonders schön ist es natürlich, wenn man noch alte Fotos oder andere Dokumente von dem Alfa aus früher Zeit erhalten kann. Das macht einem neuen Besitzer nicht nur Freude, es steigert auch den Wert. Den Werdegang eine Alfas kann man eventuell über das Register auf dieser Internetseite nachvollziehen. Frühere Besitzer, Auktionen oder Händlerangebote sind bei den Fahrzeugdetails häufig vermerkt.
Hier die wichtigsten Elemente einer guten Dokumentation. Vorhanden sein sollten möglichst viele dieser Dokumente:
- Certificato di Origine
- Alte Fahrzeugbriefe
- Kaufverträge
- Rechnungen
- Restaurierungsunterlagen
- Fotos und Beschreibungen aller Arbeiten
- TÜV-Berichte
- Versicherungsunterlagen
- Bedienungsanleitung
- Historische Fotos
- Historische Prospekte
Bevor Sie schließlich eine Reise unternehmen um einen Alfa Romeo 2600 zu besichtigen, sollten Sie mit dem Verkäufer klären, ob das angebotene Fahrzeug schon einmal restauriert wurde oder welche Arbeiten daran durchgeführt wurden. Denn das ist meist der entscheidende Punkt – die Qualität der Restaurierung. Eine auf Anhieb nicht sichtbare, aber schlechte Restaurierung kann am Ende deutlich mehr kosten als ein teureres, aber qualitativ besseres Auto. Vor allem schlampig gemachte Schweißarbeiten an der Karosserie können massiv ins Geld gehen. Denn oft sind sie unter einem neuen Lack versteckt und besonders teuer wird es, wenn man am Ende alles nochmal machen muss. Fragen Sie deshalb bei restaurierten Alfas ganz präzise:
- Wann wurde restauriert? Je älter die Restaurierung ist, desto schwächer kann die Qualität sein, denn ehemals wurden nicht so hohe Qualitätsmaßstäbe angesetzt wie heute. Das soll aber nicht bedeuten, dass nicht auch aktuelle Restaurierungen schlecht sein können – oder ältere Restaurierungen sehr gut. Das müssen Sie bei der folgenden Besichtigung intensiv prüfen. Außerdem kann bei Alfas mit einer älteren Restaurierung je nach Pflege und Wartung der Verschleiß inzwischen wieder relativ hoch sein.
- Wer hat restauriert? Das ist ein entscheidender Punkt: Inzwischen weiß man in der Szene sehr genau, welche Firmen oder Werkstätten gute Arbeit leisten. Wir beraten Sie gerne bei der Suche nach einer geeigneten Werkstatt. Aber es sind nicht viele, möglicherweise liegen die nicht in Ihrer Nähe und bei manchen gibt es längere Wartezeiten. Aber nehmen Sie lieber eine weiter entfernte Werkstatt, als einem Pfuscher aufzusitzen.
- Wie lange dauerte die Restaurierung? Das kann sehr unterschiedlich sein, normalerweise zwischen ein und fünf Jahren. Es hängt nicht nur vom Engagement, von der Organisation und von der Professionalität der Werkstatt ab, sondern auch vom Umfang der Arbeiten. War die Karosserie stark verrostet und mussten nicht mehr vorhandene Teile per Hand nachgefertigt werden, kann das viel Zeit kosten. Die Revision eines Motors oder die Sattlerarbeiten sollten dagegen nie mehr als ein paar Monate dauern.
- Wurde die Arbeit dokumentiert? Existieren Fotos vom nackten Rohbau, von der Revision von Motor, Getriebe, Achsen? Existieren alle Rechnungen für die Arbeiten? Wurde in den Rechnungen präzise aufgeführt, welche Arbeiten gemacht wurden? Kann der Vorbesitzer, der die Arbeiten durchführen ließ, Rede und Antwort stehen? Diese Punkte sind extrem wichtig. Ein klassisches Fahrzeug ohne umfassende Dokumentation der Restaurierung sollte man nicht akzeptieren.
- Welche Ersatzteile wurden verwendet? Das ist oft eine schwierige Frage. Denn originale Ersatzteile für die Karosserie gibt es schlichtweg nicht mehr. Einige Teile werden heute nachproduziert, zum Beispiel die inneren Schweller, die Bodenbleche oder der Kofferraumboden, aber alles andere muss man entweder gebraucht finden (eventuell Türen und Hauben) oder sie müssen per Hand nachgefertigt werden. Da kommt es entscheidend auf die Qualität des Karosseriebauers an. Die Technikteile dagegen – zum Beispiel für eine Motorrevision – sind heute noch bei spezialisierten Alfa-Händlern (zum Beispiel OKP, Hein Brand, etc.) zu bekommen. Denn diese Teile wurde ehemals meist auch für andere Alfas oder sogar andere Marken verwendet, so dass es sich lohnt sie nachzufertigen.
- Welche Arbeiten wurden an Werkstätten vergeben? Welche Arbeiten wurden selbst durchgeführt? Auch das ist ein wesentlicher Punkt. Denn technisch versierte und begabte Menschen können allerhand selber machen, zum Beispiel Demontage, Katalogisierung, Aufarbeitung und Pflege von Teilen. Aber für eine Motorrevision, die Überholung des Getriebes oder eine Lackierung braucht man grundsätzlich Spezialisten. Da sollte man unbedingt wissen, wer das war. Denn nicht jede Oldtimerwerkstatt kennt den Alfa 2600.
Noch ein wichtiger Punkt, bevor Sie sich zum Kauf eines Alfa 2600 Spider entschließen: Wenn von vorneherein klar ist, dass bestimmte Arbeiten oder auch eine komplette Restaurierung durchgeführt werden müssen, sollten Sie unbedingt die richtigen Werkstätten vorher kennen. Und auch wenn das Fahrzeug in gutem Zustand ist, werden Sie irgendwann eine Werkstatt für die Wartung oder kleinere Verbesserungen brauchen. Deshalb recherchieren Sie vorher, welche Werkstätten gute Referenzen haben, ob und wie viele Alfa 2600 sie schon bearbeitet haben. Die Erfahrung mit diesen speziellen Fahrzeugen ist wichtig – egal ob Karosserie oder Technik. Ein guter Jaguar- oder Mercedes-Spezialist ist nicht automatisch ein guter Alfa-2600-Spezialist.
Also: Nicht erst Auto kaufen und dann Werkstatt suchen, sondern umgekehrt. Fragen Sie dazu bei uns an oder holen Sie die Erfahrungen anderer Alfa 2600-Besitzer ein. Meist sind die guten Werkstätten keine Generalisten. Die einen machen nur den Karosseriebau, andere nur die Technik, wieder andere die Lackierung oder die Sattlerarbeiten. Es gibt einige wenige, die alles zusammen anbieten, aber meist machen sie dann nicht alles selbst, sondern vergeben Aufträge an Subunternehmer, zum Beispiel bei der Vergaserüberholung oder bei der Innenausstattung. Das kann ein Vorteil sein, denn eine gute Werkstatt muss sich bei einer Vollrestaurierung verantwortlich fühlen für alle Gewerke und deshalb auch die Subunternehmer präzise kontrollieren.
Das alles entbindet Sie als Besitzer eines schönen Alfa 2600 Spider aber später nicht einer intensiven Begleitung und Kontrolle der Arbeiten. Sie müssen sich kümmern, Sie müssen den Werkstätten genau sagen, was Sie wollen und in welcher Qualität. Sie müssen die Arbeiten möglichst auch selbst dokumentieren oder zumindest eine Dokumentierung von jedem Arbeitsschritt anfordern. Wenn alles gut läuft, macht auch das viel Spaß. Denn mitzuerleben, wie ein klassischer und seltener Alfa wieder zu voller Schönheit erblüht, kann sehr motivierend sein und viel Freude machen.
Aber zurück zum letzten und vielleicht wichtigsten Punkt bei der Suche nach dem richtigen Alfa 2600 – der Besichtigung eines angebotenen Fahrzeugs. Mein Rat: Gehen Sie nie allein. Nehmen Sie immer einen Experten mit. Natürlich sind Leute, die einen Alfa 2600 Spider in- und auswendig kennen, sehr selten. Falls Sie keinen echten Alfa-Experten kennen, bitten Sie zumindest einen erfahrenen Mechaniker oder vertrauenswürdigen KFZ-Meister mit Ihnen zu kommen. Nicht nur, dass vier Augen mehr sehen als zwei, ein guter Mechaniker sieht vermutlich bestimmte Schwachstellen eher als ein Laie.
Besonders wichtig ist die Aufmerksamkeit bei schon restaurierten Alfas. Lassen Sie Ihre Begeisterung erstmal zu Hause, bleiben Sie cool, seien Sie kritisch und untersuchen Sie das Fahrzeug genau. Schon wenn Sie auf das Fahrzeug zugehen, werden Ihnen vielleicht bestimmte Dinge auffallen – zum Beispiel, dass der Lack Einschlüsse oder matte Stellen hat. Oder ungleiche Spaltmaße (sie können auf einen Unfall hinweisen), sauber schließende Türen, oder dass die Lamellen der seitlichen Kühlergrills schief stehen, bzw. der Abstand der Lamellen unterschiedlich ist. Immerhin ist der Kühlergrill das „Gesicht“ des Autos. Das sollte unbedingt makellos sein, denn da schaut jeder zuerst hin. Oder dass die Chromleisten unter den Türen fehlen, oder die Zierleisten auf den Türverkleidungen, oder die originale Nummernschildhalterung auf dem Kofferraum, oder der Aschenbecher. Fühlen Sie dem Verkäufer auf den Zahn. Kann er Mängel oder fehlende Teile erklären, oder hat er selber keine Ahnung und labert sie nur voll mit beschönigenden Worten?
Natürlich können Sie jetzt mit den Schultern zucken und sagen: „Ach, Kleinigkeit“. Tun Sie das nicht. Gehen Sie davon aus: Wenn schon auf Anhieb kleine Fehler zu sehen sind, dann wird es an anderen, versteckten Stellen sicher auch Mängel geben. Und die können viel gravierender sein und später sehr teuer werden. Wenn Ihnen der Verkäufer diese kleinen Mängel sofort offen zeigt und erklärt, dann ist es schon besser, aber wenn er das nicht tut, seien Sie vorsichtig. Der Verkäufer soll genauso ehrlich sein wie der Alfa, den Sie kaufen wollen. Wie schon oben erwähnt, Sie brauchen vor einer Besichtigung profunde Kenntnis über das Auto. Sie müssen erkennen, was original ist und was nicht. Sie müssen fehlende Teile erkennen. Nochmal der Rat: Studieren Sie unsere Projekte auf dieser Seite, dann wissen Sie wie ein guter und originaler Alfa 2600 Spider aussehen muss.
Genauso sollten Sie bei Restaurierungsobjekten schnell erkennen, ob wesentliche Teile fehlen und ob man die eventuell nachkaufen kann. Wenn ja, zu welchem Preis. Das alles muss in die Verhandlungen mit dem Verkäufer einfließen. Ich könnte Ihnen jetzt am Schluss noch eine lange Liste mitgeben, was alles zu prüfen ist, aber so eine Liste mit jedem Detail würde zu weit führen. Denken Sie daran: Alles, was mit Karosserie zu tun hat – Schweller, Radläufe, Fußboden, Kofferraumboden, Front- oder Heckblech – kann sehr teuer in der Restaurierung werden. Die Technik ist dagegen weniger problematisch, denn für Motor, Getriebe, Achsen und Bremsanlage kann man die meisten Verschleißteile nachkaufen. Chromteile und Zierleisten sind sehr selten, da muss man Privatleute finden, die sowas noch in der Garage liegen haben – oder man findet Sie neben vielen anderen Stücken auf dieser Internetseite bei den Ersatzteilen.